2 oder 3 Dinge, die ich von mir weiß - im Selbstcoaching eigene Stärken erkennen

Wer sich beruflich neu orientieren oder auch nur den Job wechseln will, sieht sich mit der Frage konfrontiert, was er oder sie besonders gut kann. Doch nicht nur dann ist die Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken eine sinnvolle Sache. Wer seine Stärken kennt, ist selbstbewusster, motivierter, weiß eher, was er/sie will und geht Tätigkeiten nach, die einen zufrieden machen. Hier finden Sie Tipps, wie Sie im Selbstcoaching Ihren Stärken auf die Spur kommen.

Stärken sind relativ stabile, erlernte oder angeborene Fähigkeiten, die Menschen haben und die im Laufe des Lebens unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Die Ausübung dieser Fähigkeiten gelingt überdurchschnittlich gut und fällt in der Regel leicht. Stärken haben nicht unmittelbar mit Neigung zu tun: z.B. kann jemand die Fähigkeit zu organisieren haben, ohne diese Tätigkeit zu mögen. Wenn Sie Ihre Stärken kennenlernen wollen, sollten Sie sich vor allem auf diejenigen konzentrieren, die Ihnen auch Spaß bereiten. Folgende Tipps unterstützen Sie dabei:

Was ich gut kann und mag – 3 Zufriedenheitsgeschichten

Als erstes lade ich Sie dazu ein, 3-5 Zufriedenheitsgeschichten aufzuschreiben. Erinnern Sie sich an private oder berufliche Projekte, die erfolgreich verlaufen sind und – das ist sehr wichtig – die Ihnen gleichzeitig Spaß gemacht haben. Es ist dabei nicht wichtig, ob es kleine Projekte waren wie ein gelungenes Essen für Freunde oder große wie das Verfassen eines Buchs. Hauptsache ist, Sie waren damit wirklich zufrieden und Sie denken heute noch gern daran.
Wenn Sie damit fertig sind: Lesen Sie Ihre Geschichten in Ruhe durch und überlegen Sie: Welche Fähigkeiten haben Sie genutzt bei diesen Projekten, was waren die wesentlichen Tätigkeiten? Was hat zu Ihrem Erfolg, zur Zufriedenheit geführt? Notieren Sie alle Stärken, die sich ausgehend von diesen Geschichten ergeben und analysieren Sie, welche Fähigkeiten in den Geschichten gehäuft wiederkehren. Nehmen Sie sich dafür 1-2 Stunden Zeit.

Das Selbstverständliche sehen

Die Stärken, die uns am meisten auszeichnen, sind für uns oft so selbstverständlich, dass Sie uns gar nicht auffallen. Widmen Sie sich im zweiten Schritt all jenem, was Sie gut können, egal, wie banal es vielleicht auch scheinen mag. Fragen Sie sich: Was können Sie gut? Was fällt Ihnen leicht? Was gibt Ihnen Energie? Was fiel Ihnen schon in der Schule leicht? Was haben Sie in Ihrer Ausbildung, im Studium, im Beruf gelernt? Womit beschäftigen Sie sich gerne? Wofür loben Sie andere? Worum werden Sie um Hilfe gebeten? Welche Aufgaben werden Ihnen gerne übertragen? Welche Stärke haben Sie noch? Und welche noch?

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Notieren Sie alles, was Ihnen einfällt, auf Kärtchen und erstellen Sie zwei Stapel: Ein Stapel für Stärken, die sie zwar haben, die Sie aber nicht gerne einsetzen und ein Stapel für die „wegweisenden“ Stärken: also für diejenigen, die Sie haben und gerne nutzen. Nehmen Sie sich dafür 1-2 Stunden Zeit.

Der Blick von außen

Bitten Sie schließlich 3-5 Personen, gerne aus privatem und beruflichem Kontext, in nicht mehr als 10-15 Minuten stichpunktartig zu formulieren, was Sie aus deren Sicht gut können. Was zeichnet Sie als Mensch aus? Was gelingt Ihnen gut? Womit überzeugen Sie? Welche Aufgaben würden die Personen Ihnen übertragen? Wo um Hilfe bitten? Bitten Sie darum, nur positives Feedback zu erhalten und genießen Sie das Ergebnis.
Analysieren Sie die Feedbacks und reflektieren Sie, was Sie Neues über sich erfahren haben und inwieweit Selbst- und Fremdwahrnehmung ähnlich sind und wo sie auseinander driften.

Auswertung und Transfer – Was ist Ihnen wichtig?

Nun geht es darum, Ihren Fundus an Stärken, den Sie erstellt haben, auszuwerten. Tragen Sie alle Stärken zusammen, notieren Sie sie auf Kärtchen und reihen Sie sie nach Relevanz: Welche Stärken sind Ihnen persönlich am wichtigsten? Auf welche sind Sie stolz, wofür wollen Sie stehen? Welche dieser Stärken nutzen Sie alltäglich, ganz von selbst? Welche bringen Ihnen Spaß und Energie, wenn Sie sie ausüben? Reihen Sie eher zügig und intuitiv – die wichtigsten Stärken liegen oben, die weniger wichtigen unten. Gehen Sie dann Schritt für Schritt Ihre Reihenfolge durch, korrigieren Sie sie, bis sie stimmig ist und konzentrieren Sie sich auf die 5-10 wichtigsten Stärken. Nehmen Sie sich dafür 1-2 Stunden Zeit.

Als letzten Schritt können Sie sich fragen, was Sie in dem Prozess Neues über sich erfahren haben. Welche Stärken waren Ihnen davor nicht so bewusst, sind aber wichtig? Inwieweit setzen Sie beruflich und privat bereits Ihre leitenden Stärken ein? Wo/wie möchten Sie das vielleicht noch mehr tun? Und schließlich: In welchen Situationen nutzen Sie eher jene Stärken, die Sie zwar haben, aber gar nicht so sehr mögen (auch wenn Sie evtl. von anderen dafür gelobt werden)? Und wie wollen Sie damit umgehen?

Ich wünsche Ihnen eine anregende Auseinandersetzung!

12.08.2016

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